Das Prinzip der Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation)

Epidurale Rückenmarkstimulation
bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK Stadium III-IV)

Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Schmerzen in den unteren oder oberen Extremitäten werden primär medikamentös behandelt.

Die Spinal Cord Stimulation (SCS) kann bei chronisch kritischer Extremitätenischämie die Schmerzsymptomatik verringern und möglicherweise zum Erhalt der betroffenen Extremität führen.
Die SCS kann nach erfolgloser konservativer Therapie und bei fehlender interventioneller Revaskularisationsmöglichkeit eingesetzt werden.


Epidurale Rückenmarkstimulation bei therapierefraktärer Angina
Die koronare Herzerkrankung ist trotz verbesserter Therapiemöglichkeiten die Todesursache Nummer eins in den westlichen Industrienationen.

Die epidurale Rückenmarkstimulation liefert bei einer Angina pectoris, die nicht auf die übliche Therapie anspricht, sehr gute Ergebnisse:

  • sie senkt die kardiovaskuläre Morbidität
  • sie senkt die Häufigkeit und Intensität der Anginaattacken
  • sie reduziert den Nitratverbrauch
  • sie reduziert die Häufigkeit der Angina-bedingten Krankenhausaufenthalte

Fazit:
Die epidurale Rückenmarkstimulation stellt bei refraktärer Angina pectoris im Gefolge einer koronaren Herzkrankheit nach Ausschöpfung aller konservativen und interventiven Therapiemaßnahmen eine erfolgsversprechende Behandlungsoption dar.


Epidurale Rückenmarkstimulation bei FBSS
Der angelsächsische Begriff „Failed Back Surgery Syndrome“ (FBSS) entspricht den deutschen Begriffen „Postdiskektomie“ oder „Postdiskotomie-Syndrom“ und beinhaltet, dass in folgenden Fällen anhaltende Schmerzen im Rücken und Beinbereich auftreten können:

  • nach einer Operation am Rücken
  • typischerweise nach einer Bandscheibenoperation
  • nach OPs von Spinalkanalstenosen oder Tumoren

Ca. 30% der Patienten nach Bandscheibenoperationen erleiden ein FBSS. Neben den Beinschmerzen und Schmerzen im Rücken leiden die Patienten häufig an begleitenden Problemen wie Schlafstörungen, Depression, sozialen und ökonomischen Problemen, Alkoholismus und Medikamentenabusus.

Die SCS sollte beim FBSS mit überwiegend radikulärem Schmerz bei Erfolglosigkeit konservativer Verfahren und Ausschluss psychologischer Kontraindikationen eingesetzt werden.

Epidurale Rückenmarkstimulation bei CRPS (Complex regional pain syndrome) I und II
Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (früher: sympathische Reflexdystrophie, M. Sudeck, Algodystrophie) ist ein Syndrom mit bislang ungeklärter Ursache. Es entwickelt sich nach Traumen oder Operationen auch leichterer Art.


Behandlung von CRPS I und II

  • CRPS I    


Bleiben Versuche einer multimodalen konservativen Therapie des CRPS I ohne Erfolg, sollte eine Therapie mit epiduraler Rückenmarkstimulation, unter Beibehaltung einer intensiven physikalischen Behandlung angeboten werden.

  • CRPS II

Ein individueller Behandlungsversuch kann bei CRPS II bei Wirkungslosigkeit konservativer Maßnahmen erwogen werden.


Andere neuropathische Schmerzsyndrome
Für andere neuropathische Schmerzen (Schmerzen infolge von Nervenläsionen) liegen nur kleine Fallstudien mit positiven Ergebnissen vor.

Hierzu zählen:

  • die Postzosterneuralgie
  • die diabetische Neuropathie
  • der Phantom- oder Stumpfschmerz
  • der Schmerz bei inkomplettem Querschnitt
  • der Schmerz bei Plexusläsionen


Einschränkung:
Bei Patienten mit kompletten Querschnittsyndromen ist die epidurale Rückenmarkstimulation nicht wirksam.


(basierend auf den Leitlinien der AWMF / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, einschließlich der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie)