Das Facettensyndrom – an der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule

Das sogenannte Facettensyndrom
(oder auch Facettengelenksyndrom bzw. Wirbelgelenkarthrose genannt) ist durch nicht ausstrahlende Schmerzen im Nacken (Cervicalgie) und Rücken (Lumbago) gekennzeichnet, die vor allem bei statischen Körperhaltungen auftreten, also vorwiegend beim Sitzen und Stehen, manchmal – paradoxerweise – auch beim Liegen.

Bewegung lindert zumeist die Beschwerden. Typisch sind Druckschmerzen an der Wirbelsäule, etwas seitlich der Mittellinie.

Im Kernspintomogramm (MRT) findet man in der Regel vergrößerte Wirbelgelenke und einen zusammengesinterten Bandscheibenraum, gelegentlich auch eine Steilstellung der gesamten Halswirbelsäule (HWS) bzw. Lendenwirbelsäule (LWS).

Definition des Facettensyndroms

Die „klassische“ Definition des Facettensyndroms bezeichnet ein Schmerzbild, das seinen Ursprung in den kleinen Wirbelgelenken hat und das zu den chronischen-rezidivierenden, mechanischen Kreuzschmerzen gehört.

Biomechanisch betrachtet, leitet es sich als Folge einer Höhenminderung des Bewegungssegments (Degeneration, Bandscheibenoperation) ab. Über eine Mobilitätszunahme und eine Instabilität im Bewegungssegment entwickeln sich Über- und Fehlbeanspruchungen der Wirbelgelenkkapsel.
Durch Alteration der durch den R. dorsalis über mehrere Segmente versorgten Wirbelgelenkskapseln kommt es zu sog. pseudoradikulären (übertragenen) Schmerzen. Dieser Zustand wird als „Facettensyndrom“ bezeichnet.

Welche Therapieformen werden sinnvollerweise eingesetzt?
Ist das schmerzende Facettengelenk identifiziert, gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Zunächst wird man versuchen, mit entzündungshemmenden Medikamenten und sogenannter nicht-steroidaler Antiphlogistika (NSAR, wie Ibuprofen oder Diclofenac) die Reizung des Facettengelenks zu beseitigen. Die lokale Erhöhung der Wirkstoffkonzentration bewirkt eine schnelle und nachhaltige Entzündungshemmung. 

Facetteninfiltration (lokale Injektionstherapie)
Wenn die Schmerzen von einem erkrankten Facettengelenk kommen, kann es außerdem hilfreich sein, unter Röntgenkontrolle ein Lokalanästhetikum in Kombination mit einem Cortisonpräparat an das Wirbelgelenk zu spritzen. Die lokale Konzentration der Wirkstoffe führt zu einer schnellen Entzündungsverminderung und lindert die Schmerzen. 

Facettendenervation
Eine Alternative zur Injektionstherapie ist die Facettendenervation. Hier wird das Zwischenwirbelgelenk mittels Hitze verödet. Dabei gehen Nervenfasern, die für die Schmerz-Weiterleitung zuständig sind, verloren. Eine Bewegungseinschränkung, wie beim Verlust von motorischen Fasern, ist nicht zu erwarten.